Another SightHeaderIndie-SpieleReview

Another Sight – Review

Manchmal schreibt der Zufall die schönsten Geschichten, und so beginnt auch das Abenteuer unserer Heldin Kit mit einer unerwarteten Begegnung. In der Kanalisation eines viktorianisch anmutenden Londons treffen wir auf Kater Hodge. Ein Freund, der gerade richtig kommt in der Not, denn Kit ist erblindet. Das ungleiche Paar wächst schnell zusammen, nur gemeinsam können sie in der surrealen Welt von Another Sight bestehen.

Der Plattformer aus dem Hause Lunar Great Wall Studios kommt mit Ecken und Kanten, mit Rätseln und einer Geschichte über echte Freundschaft. Eine Geschichte, die berührt und uns auf ungewohnte Pfade führt.

Der Gedanke an »Alice im Wunderland« liegt nahe, als wir Kit das erste Mal erblicken. Wie die Heldin aus Lewis Carrolls Roman ist das Mädchen in eine fremde Welt gestürzt, allerdings nicht durch einen Kaninchenbau, sondern durch den Boden einer Gemäldegalerie. Als sie erwacht, ist sie erblindet.

So können wir unsere Umgebung nur wage wahrnehmen, doch mit Hodge haben wir einen Partner an unserer Seite, der uns hilft, in der Dunkelheit zu bestehen. Die Sicht des Katers ist klar und deutlich, so dass wir die Level mit ihm erkunden können. Nach Belieben wechseln wir zwischen den Charakteren hin und her. Mal erklimmen wir mit Hodge einen Vorsprung, mal betätigen wir mit Kit einen Schalter. Die beiden Helden sind auf kreative Art miteinander verbunden, denn es gibt kein Bestehen ohne den anderen. Meisterlich erzählt Another Sight nicht nur die Geschichte einer besonderen Freundschaft; im Fokus des Spieles steht Vertrauen. Im wahrsten Sinne des Wortes ein »blindes« Vertrauen. So ist es Hodge, der uns mit seinen Rufen auf die andere Seite eines Abgrunds lotst. Oder der Ratten verjagt, damit Kit sich anhand der Geräusche orientieren kann.

Atmosphärischer Rätselspaß

Another Sight lockt uns durch eine Vielzahl abwechslungsreich gestalteter Level. So beginnen wir in einer U-Bahn-Station, reisen danach per Boot durch die Kanalisation, durchqueren Gärten und ein unterirdisches Labor. Zwischen den Stationen landen wir in Traumwelten, in denen wir als Hodge oder Kit voranschreiten.

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Haben wir einen Abschnitt abgeschlossen, bringt uns das Spiel in wunderschön gezeichneten Sequenzen die Geschichte hinter Kits und Hodges Abenteuer näher. So erfahren wir, dass das Mädchen sich nichts sehnlicher wünscht, als eine heile Familie. Wir begegnen Thomas Edison, Nikola Tesla und Claude Monet, dessen Seerosen wir bewundern haben, bevor wir in der seltsamen Welt erwachten.

Wir erfahren vom Nodus, einer Quelle, die die Macht besitzt, die Welt zu ändern. Kit macht sich auf den Weg dahin. Bestehen die Herausforderungen am Anfang lediglich aus Schiebe- und Schalterrätseln, treffen wir in den späteren Leveln auch auf Wachen, denen wir ausweichen müssen. Wir suchen Deckung oder lenken sie mit der Hilfe unseres Katers ab. Another Sight bietet dem Spieler unterschiedliche kleine Rätsel, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sind. Doch das Rätseln macht Spaß! Gelingt einmal etwas nicht oder stürzen wir in einen Abgrund, respawnen wir an einem nahen Speicherpunkt. Die Punkte sind gut gesetzt, so dass wir nie viel Fortschritt verlieren. Die fremde Welt ist tückisch, doch in Another Sight lauern noch andere Gefahren.

Achillesferse Technik

Der größte Schwachpunkt in Another Sight ist die technische Umsetzung. So ist die Sprungmechanik hölzern und nicht mehr zeitgemäß. Hier und da gibt es kleinere Bugs, die Kit beispielsweise nach einem Sturz auf der falschen Seite eines Tores auftauchen lassen. Das ist schade und trüb manchmal das Bild eines sonst soliden und sehr guten Spieles. Doch die Entwickler haben diesen Problemen den Kampf angesagt, während des Tests kam bereits der erste größere Patch, der die Sprungmechanik verbessert. Rund läuft es dennoch noch nicht.

Es dauert einen Moment, bis man an sich die Mechaniken gewöhnt hat. Und manchmal ziehen sich die Rätsel etwas in die Länge, wenn wir an einen vorherigen Punkt zurückkehren müssen. Dennoch ist es ein wahres Vergnügen, die düstere Welt mit Kit zu meistern. Wir springen, klettern, hangeln und schieben. Ja, Another Sight macht Spaß! Es ist schwer, nicht dem Charme der beiden Helden zu verfallen. Und auch wenn es manchmal frustet, erwischt man sich dabei, ein Auge für die hölzernen Mechaniken zuzudrücken.

Another Sight ist für PC, Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One erhältlich. Der Preis liegt bei 19,99 €.

Review

Another Sight ist ein Plattformer, der auf Singleplayer-Koop setzt. So steuern wir unsere blinde Heldin Kit abwechselnd mit Kater Hodge durch eine düstere Welt. Unterwegs gilt es, eine Vielzahl von Schiebe- und Schalterrätseln zu lösen, die manchmal etwas lieblos erscheinen. Doch der Charme der beiden Freunde, die aneinander gebunden sind wie Licht und Schatten, lässt uns dennoch gebannt voranschreiten.

Technisch ist Another Sight nicht ausgereift, so begegnen wir Bugs, Glitches oder müssen uns erst an die hölzerne Sprungmechanik gewöhnen. Das trübt das Gesamtbild eines sonst guten Spieles. Dennoch ist Another Sight einen Blick wert, denn das erzählerisch starke Abenteuer lockt mit unterhaltsamen Stunden und einem atmosphärischen Ausflug in den Londoner Untergrund.

  • Atmosphäre
  • Gameplay
  • Technik
  • Schwierigkeit
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
Eure Wertung: 4 ( 4 Stimmen )
Similicious

Die Frau mit Tausend Namen. Similicious. Simi. Lily Ashby. Zockerin aus Leidenschaft seit 1993. Seitdem hat sie nicht nur Germanistik und Kunstgeschichte eingehend studiert, sondern auch die Videospiellandschaft. Simi ist Hauptschreiberling und Obertroll der Brückentroll Crew.

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