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Wandersong – Review

Videospiele sind vergänglich. Sie begleiten uns nur eine kurze Zeit und manchmal bleibt nichts zurück als verschwommene Erinnerungen. Doch dann gibt es Abenteuer, die wir einfach nicht vergessen können. Spiele, die uns prägen. Die einmalig sind, weil sie eine Geschichte erzählen, die uns zutiefst berührt.

Ein solches Spiel ist »Wandersong«. Wäre die Welt der Videospiele eine Schmuckschatulle, so wäre Wandersong der glänzende Diamant, der alles überstrahlt. Ein Spiel, das die Branche dringend gebraucht hat. Es bricht Klischees und erfindet Altbewährtes neu, denn Wandersong lässt sich in keine Kategorie einordnen. Es ist ein bisschen von allem – und das macht das Spiel perfekt.

Greg Lobanov hat ein Meisterwerk geschaffen.

Am Anfang steht der Held, zumindest ist das sonst immer so. Und unser kleiner Barde ist auch ein Held – und er ist es nicht. Das ist ein Prinzip, das vom Spiel immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert wird. Doch einen Helden hat es bitter nötig, denn die Welt liegt im Sterben. So ist unsere Aufgabe schnell gefunden; wir schlüpfen in die Kleider des charmanten Barden und machen uns auf, alle Teile des Earthsongs zu sammeln, um die Katastrophe doch noch abzuwenden.

Wandersong ist in vielen Aspekten ein ungewöhnliches Spiel. Die kunterbunte Spielwelt ist wie ein Scherenschnitt aufgebaut. Das Zuhause des Barden und seine Bewohner wirken ganz so, als seien sie vom Basteltisch eines Kindes gefallen. Und ein bisschen ist es auch so, denn in Wandersong verbirgt sich sehr viel Kindlichkeit. Die Schönheit und Leichtigkeit, die sich dem Spieler in den ersten Augenblicken bieten, ist etwas, was ich so in Videospielen noch nie gesehen habe. Wie ein roter Faden zieht es sich durch die gesamte Geschichte und erfüllt uns mit einer Welle aus Fröhlichkeit. Noch nie war es so schön, ein Abenteuer zu erleben.

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Doch wir wären nicht ein Barde, wenn nicht auch kräftig gesungen wird. Musik ist das Bindeglied des Spieles. Uns steht dauerhaft ein Auswahlrad mit verschiedenen Tönen zur Verfügung, die unser kleiner Held zum Besten gibt. Damit unterhalten wir nicht nur unsere Umgebung (und uns selbst, denn es macht unglaublich Spaß, sich die Seele aus dem Leib zu trällern), sondern entdecken im Lauf des Spieles immer wieder neue Möglichkeiten. Wir steuern Ranken mit unserer Musik, Wolken und gelartige Plattformen, werden von Vögeln in die Höhe katapultiert und lenken kleine Insekten nach unserem Willen. Wandersong steckt voller Ideen, die uns jedes Mal von neuem erstaunen lassen.

Jeder Held braucht einen Sidekick

Unser Barde ist ein fröhlicher Gesell. Naiv, kindlich und offenherzig. Jemand, der überall Freunde findet. Jemand, der beliebt und gern gesehen ist. Und dann ist da noch Miriam. Grummelig, verschlossen, pessimistisch. Die junge Hexe ist genau das Gegenteil von unserem Helden, doch wie das Schicksal so spielt, begeben sie sich gemeinsam auf die Suche nach den Overseern. Jene mystische Wesen, die die Teile des Earthsongs verwahren.

Dabei entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Gefährten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Diese Entwicklung zu beobachten, sie zu erleben und ein Teil davon zu sein, trägt die Geschichte im gleichen Maße wie das Bestreben den Weltuntergang zu verhindern. Wandersong lebt von seinen Emotionen. Den Eindrücken, dem Humor, dem Liebreiz jedes einzelnen Charakters und manchmal auch der tiefen Verzweiflung.

Themen- und facettenreiches Abenteuer

Hinter Wandersong verbirgt sich nicht nur ein Abenteuer-Spiel mit Plattformer-Elementen, sondern eine Geschichte über das Leben. Neben zentralen Themen wie Freundschaft und Liebe behandelt das Spiel auch Heldenmut, Krieg, Einsamkeit. Doch das geschieht ohne erhobenen Zeigefinger. Wandersong will uns nicht moralisieren, es will uns unterhalten und dennoch zum Nachdenken anregen.

Nach kurzer Zeit begegnen wir der eigentlichen Heldin. Ausgestattet mit einem mächtigen Schwert, ist sie bestimmt, die Overseer zu töten, auch wenn das das Ende der Welt bedeutet. Falscher Heldenmut und Eitelkeit treibt sie dazu, unserem Barden immer wieder Steine in den Weg zu legen. Es ist ein Weltlauf gegen die Zeit, und es ist einer, der nicht zu unseren Gunsten verläuft. Doch Helden haben viele Gesichter, auch ein Barde kann ein Held sein. Etwas, das es in Videospielen zuvor auf diese Art noch nie gegeben hat.

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Es war einmal …

Wir reisen durch verschiedene Länder und begegnen neuen Freunden. Jeder Charakter ist einzigartig und mit eigener Persönlichkeit versehen. Wandersong hat keine Berührungsängste. Das Spiel geniert sich nicht, unbequeme Themen anzusprechen und auf seine eigene Weise zu interpretieren. Oder sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Unvorhersehbar und überraschend wendet sich die Geschichte; wer glaubt, alles gesehen zu haben, wird von Wandersong eines Besseren belehrt. Die spielerischen Aspekte sind ausgewogen zur Geschichte aufgebaut. Es gibt zwar ein paar knifflige Passagen, aber die haben wir schnell hinter uns gebracht. Wandersong ist ein faires Spiel, das absolut auf das Erlebnis ausgelegt ist.

Man könnte Hunderttausend Worte benutzen, um dieses Spiel zu beschreiben, und dennoch könnte man es niemals fassen. Wandersong ist eigensinnig. Albern. Traurig, fröhlich und das beste Spiel, was man vielleicht jemals spielen wird. Es will nicht eines von vielen Spielen sein; es will das eine Spiel sein, das wir lieben. Das uns kleine Aufgaben stellt und auf eine Reise entführt, die bildgewaltiger kaum sein könnte. Ein Spiel, das glücklich macht. Und nichts scheint besser dafür geeignet als Musik! In jedem Takt, in jeder Sekunde schwingt Lebensfreude.

Schäm’ dich nicht, du selbst zu sein. Denn du bist einzigartig.


Wandersong ist ab heute auf Steam, Humble Bundle und für Nintendo Switch erhältlich.

Wer von dem kleinen Barden nicht genug bekommen kann, kann den Soundtrack sowie verschiedenen Merchandise auf The Yatee und Fangamer erwerben.

Review

In Wandersong übernehmen wir die Rolle eines Barden und erleben ein unvergessliches, musikalisches Abenteuer. Eines, das es in Videospielen zuvor auf diese Art noch nie gegeben hat. Das Spiel verbindet Plattformer-Elemente mit einer tiefen, herzerwärmenden Geschichte und lässt uns zum Helden werden, wer auch immer wir sind.

Wandersong schreibt mit seinen Ideen, der Musik und der Prämisse auf Spielspaß Videospiel-Geschichte. Ein einmaliges Abenteuer, das sich niemand entgehen lassen sollte.

  • Atmosphäre
  • Gameplay
  • Kreativität
  • Spaßfaktor
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
Eure Wertung: 4.9 ( 4 Stimmen )
Similicious

Die Frau mit Tausend Namen. Similicious. Simi. Lily Ashby. Zockerin aus Leidenschaft seit 1993. Seitdem hat sie nicht nur Germanistik und Kunstgeschichte eingehend studiert, sondern auch die Videospiellandschaft. Simi ist Hauptschreiberling und Obertroll der Brückentroll Crew.

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